10 300 Euro für einen Tag Arbeit

Himmelsthürer Schüler spenden Erlös für Beratungsstelle Wildrose und Verein für krebskranke Kinder / Enormer Aufwand für die Beteiligten
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 15.09.2010


Hildesheim (bar). Jubel und lautstarker Beifall im Foyer des Gymnasiums Himmelsthür: Gerade hat Schulleiter Holger Fründt bekannt gegeben, welche Summe die Schüler mit ihrem sozialen Tag für gute Zwecke zusammengebracht haben: 10 300 Euro. Die sollen jetzt je zur Hälfte an Wildrose, die Hildesheimer Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt, und an den Verein für krebskranke Kinder Hannover und sein Projekt "Klassissimo" gehen. Etwa ein Jahr zuvor hatte die Idee bei der Schülervertretung Gestalt angenommen.

Anstoß gab der bundesweite soziale Tag, doch die Himmelsthürer Gymnasiasten wollten nicht für den goßen den Topf arbeiten, sondern die Sache lieber eigenständig durchziehen und für Organisationen in der Region spenden. Beim Schulleiter fanden die Jugendlichen sofort Zustimmung für ihre Idee. An einem Tag im Mai bekamen alle Schüler der Klassen fünf bis neun unterrichtsfrei, um Geld für den guten Zweck zu verdienen. Ihren "Arbeitsplatz" und das voraussichtliche Einkommen mussten sie vorher schriftlich nachweisen. Schließlich sollte niemand sich auf die faule Haut legen oder in die eigene Tasche wirtschaften.

Für die Schülervertreter bedeutete das eine Menge Verwaltungsaufwand, denn die Angaben wurden anschließend auch mit den abgelieferten Summen abgeglichen. Die Schülersprecherinnen Stefanie Rauprich und Franziska Deters und ihre Mitstreiter Friederike Abramowski, Annika Wahrhausen, Christina Kutscher, Verena Kutscher, Lukas Bertram und Lukas Ellenberg füllten fünf Aktenordner mit Papieren. Außerdem leisteten sie bei den Schülern Überzeugungsarbeit und gaben Tipps für die Suche nach geeigneten Arbeitsstellen. Viele der Mädchen und Jungen halfen Eltern oder Großeltern in Haus und Garten. Doch auch Unternehmen aus der Umgebung machten mit: Autohäuser, Supermärkte, Landwirte, Altenheime, Kindergärten und auch eine Eisdiele und ein Fensterbauer beschäftigten die jungen Arbeitskräfte für einen Tag. Verena Kutscher stand in einem Blumengeschäft hinter dem Tresen und verkaufte Blumensträuße, Friederike Abramowski schraubte in der Firma eines Bekannten Lampen zusammen und testete ihre Funktion, Lukas Ellenberg sortierte Papiere im Büro seines Stiefvaters.

Die älteren Schüler ab Klasse zehn durften dagegen nicht mitmachen. Im schulischen Endspurt war ein unterrichtsfreier Tag nicht drin. Als besonders schwierig erwies sich die Auswahl der Empfänger. Wohltätige Vereine und Organisationen, die eine Zuwendung gebrauchen könnten, gibt es mehr als genug, stellten die Schülervertreter fest. Nach wochenlangen Überlegungen und Diskussionen stand die Entscheidung schließlich fest.

Der Verein für krebskranke Kinder Hannover war den Schülern durch sein Projekt "Klassissimo" bekannt, das kranke Kinder mit Hilfe der Kamera und Internet über den Unterricht auf dem Laufenden hält. So bekommen sie nach der Genesung wieder Anschluss an ihre Klasse. Das hatte auch schon Schülern des Gymnasiums Himmelsthür geholfen. Den Verein Wildrose dagegen habe hoffentlich noch kein Kind der Schule in Anspruch nehmen müssen, meint Stefanie Rauprich. Dass die Beratungsstelle wichtige Arbeit in Hildesheim leistet, war den Schülern jedoch bekannt. Den Mitarbeitern habe die Summe fast die Sprache verschlagen, sagte Wildrose-Vorsitzende Ursula Pfahl bei der Übergabe der Spende. Pfahl und Elke Werth vom Verein für krebskranke Kinder bedankten sich herzlich für das Engagement der Schüler.

Trotz des Erfolgs und der Anerkennung sind sich die Schülervertreter nicht sicher, ob sie die Aktion im nächsten Jahr wiederholen wollen, denn der Aufwand sei enorm gewesen. Andererseits hätten Eltern schon ihre Unterstützung zugesagt, "Und beim nächsten Mal ist ja manches auch schon Routine."