Fußball? "Nix da",

Fußball? "Nix da", sagt der Lehrer
c Hildesheimer Allgemeine vom 07.06.2005

(tbr). „Wir wollen Fußball spielen“, rufen die Jungs der Klasse 6c im Chor. „Nix da“, entgegnet Lehrer Walter Walk (54) – und holt die Volleybälle raus. Die Jungs murren, die meisten Mädchen frohlocken. Nur Angela Klose nicht. Die würde auch lieber kicken statt pritschen. „Ich spiele Fußball beim SSV Förste“, erzählt die Zwölfjährige stolz.
Die 6c ist eine der neuen Klassen mit sportlichem Schwerpunkt am Gymnasium in Himmelsthür. Vier Stunden Sport stehen pro Woche auf dem Programm. In den Jahrgängen fünf und sechs geht‘s noch recht locker zu. „Wichtig ist, dass die Schüler Spaß und Begeisterung mitbringen“, erklärt Walk. Und deshalb wird auch schon mal der Fußball herausgeholt.

Aber in der 7. Klasse müssen sich die Sportschüler für eine sogenannte Profilsportart entscheiden. Das sind Handball, Schwimmen, Tennis, Triathlon und Volleyball. Manja Spieß wird die Qual der Wahl haben. „Bei der DJK Blau-Weiß Hildesheim geht sie dreimal in der Woche zum Tennistraining. Außerdem schwimmt sie beim TuS Grün-Weiß Himmelsthür. Für welche Sportart wird sie sich entscheiden? „Weiß ich noch nicht“, grübelt die Zwölfjährige.

Keine Wahl hat sie beim Thema Mathematik. Die Sportschüler kommen um einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt nicht herum. „Vier Stunden Mathe pro Woche, das ist ganz schön hart“, stöhnt Manja. Aber da muss sie durch.
Ihr Klassenkamerad Kevin Nowatzky ist leidenschaftlicher Handballer. „Ich spiele seit neun Jahren bei Eintracht. Mit der C-Jugend sind wir gerade in die Bezirksliga aufgestiegen“, berichtet er freudig. „Ich will mal Profi werden“, sagt er entschlossen. Aber auch für andere Sportarten ist Kevin offen. „Tennis macht Spaß, deshalb nehme ich an einer Arbeitsgemeinschaft teil.“ Und wie steht‘s mit Mathe? „Kein Problem.“ Kevin scheint in der Sportklasse genau richtig zu sein.
„In den Jahrgängen fünf und sechs setzen wir die Schwerpunkte im Ausdauerbereich und in der Bewegungsmotorik. Wir wollen die Grundlagen schaffen für spätere Spezialisierungen“, erklärt Walk. Auf folgendes legt er Wert: „Es geht nicht darum, aus jedem Schüler einen Leistungssportler zu machen, sondern das Interesse am Sport zu wecken und zu erhalten. Wenn einer den Sprung schafft – um so besser. “
Die elfjährige Lina Gleitner will kein Sportstar werden, sondern einen „normalen Beruf erlernen“. Sie schwimmt gern und spielt Handball. „Und das will ich noch lange tun. Weil‘s Spaß macht.“

Rüber ins Himmelsthürer Schwimmbad, wo die Sportschüler der Klasse 5d gerade die Wende üben. Julia-Aline Bartelt (11) sitzt etwas traurig am Beckenrand und muss zugucken. „Eine Verletzung am Arm“, erklärt sie. Und erzählt von ihrem anstrengenden Alltag: „Um sechs Uhr stehe ich auf, dann geht‘s zur Schule. Später warten die Hausaufgaben. Und gleich danach gehe ich zum Schwimmtraining bei der SG Hildesheim. Das Training geht oft bis 20.30 Uhr.“ Kein Wunder, dass die Elfjährige abends schnell einschläft.

Keine einzige Fünf im Zeugnis
„Die Belastung ist gerade für jene Schüler ziemlich hoch, die aus dem Landkreis kommen und einen weiten Anfahrtsweg haben“, erklärt Dietrich Mügge. Er ist Fachbereichsleiter Sport am Himmelsthürer Gymnasium und für die Betreuung der Sportschüler zuständig. Deren Leistungen können sich sehen lassen. Lehrer Jörn Diedrich ist mächtig stolz auf seine 5d: „Es gab in den letzten Zeugnissen keine einzige Fünf und nur drei Vieren – und das bei 29 Schülern. Der Notenschnitt liegt bei 2,2.“ Für Diedrich steht fest: „Schüler, die sich sportlich betätigen, sind besonders ehrgeizig und aufgeschlossen.“ Er selbst ist mit 55 erstaunlich fit. Er lächelt: „Ich spiele für den MTV 48 in der Tennis-Landesliga und kicke in einer Hobbytruppe.“ Ganz ohne Fußball geht‘s eben doch nicht.

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Musterschüler:
Lehrer Jörn Diedrich ist stolz auf seine 5c.
Auch Hannah, Julia, Jonah, Felix (von links) und Lina (vorn) haben vorwiegend gute Noten im Zeugnis.
Viele Pädagogen sind überzeugt: „Sport fördert auch die Leistungen in anderen Fächern.“