Vom Hasenfuß zum Löwenherz

Schülertheater: Ein Zeitreisender muss sich in einer Schulklasse von 2011 behaupten Himmelsthür (kia) © HAZ 02.07.2011

Der junge Leonardo hat zwei Probleme: Erstens ist er aus dem Mittelalter in eine Schulklasse im Jahr 2011 gezaubert worden, Zweitens muss er sechs Freunde finden, damit der Spruch, der ihn zurück nach Hause bringen soll, wirkt und Leonardo seinen Vater vor der Inquisition retten kann. In die Quere kommen ihm dabei der Klassen-Tyrann Schizzo und die Herausforderungen der Gegenwart sowie die Suche nach einem magischen Amulett.

Sieben Monate lang haben die Schüler des Gymnasiums Hirnmelsthiir das Musical geprobt, jetzt hat "Löwenherz" Premiere gefeiert. Ein "Rock-Mysticall' nennt es Elisabeth Rolf, die das Stück mit den Schülern des fünften bis achten Jahrgangs einstudierte. "Jeder konnte sich entscheiden, welche Rolle er gerne übernehmen möchte", erklärt Rolf. Ursprünglich war das Stück des Komponisten Andreas Schmittberger, für nur 20 Kinder konzeptioniert. Mehr als doppelt so viele Schüler machten mit, so dass sich Rolf etwas einfallen lassen musste, "Wir haben dann fast jede Rolle in jeder Szene neu besetzt"

Damit die Zuschauer die Charaktere wieder erkennen, bekam jede Figur bestimmte Attribute: Schizzo tritt immer mit einer alten Lederjacke auf, Leonardo trägt ein grünes T-Shirt, die Schreckschraube Frau Knaubloch kommt mit XX L-Bluse und Hornbrille daher. Bei der Herstellung der Kostüme und des Bühnenbilds packten viele mit an: Schüler, Lehrer, Eltern und eine Großmutter halfen, alles rechtzeitig fertig zu bekommen. Viel zu sehen gibt es also bei "Löwenherz", vor allem aber auch viel zu hören. Mit mittelalterlichen Melodien und rockigen, zeitgenössischen Songs unterstützt ein eigens für das Stück zusammengestelltes Orchester die Schauspieler.
Trompeten, Posaunen, Flöte, Cajon, Cello und Klavier verwandeln die Aula des Gymnasiums in einen Konzertsaal. Dazu begleitet ein Chor die Szenen und unterstreicht die Handlung mit passenden Liedern: Nachdem Schizzo den "Loser" Anton verprügelt hat, donnert die Truppe "Wir sind Könige". Als Leonardo seine Mitschüler überzeugen will, zusammenzuhalten, heißt es: "Du bist nicht allein". Eine Gruppe Tänzer setzt die Botschaft mit Masken, Tüchern und Kostümen in eigenen Choreografien künstlerisch in Szene.

Einmal pro Woche eine Stunde üben, dazu einige Probentage - trotz knapp bemessener Vorbereitungszeit sitzt die Rolle bei den meisten. "Am schwierigsten war es, die Einsätze zu üben", findet Tessa aus der 5b.
Theresa, die den Bösewicht Schizzo gespielt hat, pflichtet ihr bei. "Aber es war auch ganz lustig - man konnte mal richtig die Sau raus lassen", erzählt die Elfjährige.
Vorlaute Sprüche (das Lied "Ich schlafe gleich ein" im Unterricht von Frau Knaubloch) und flotte Dialoge ("Vorsicht, ein Drache! - "Das ist ein Lkw, du Dödel") sorgen für zahlreiche witzige Momente.

Dennoch gibt es auch einen "Aha-Effekt": Am Ende beschließen die vermeintlichen "Loser", sich nicht länger von Sch izzo schikanieren zu lassen. Und auch die Bandenmitglieder Jule und Thor erkennen, dass Mobbing und Schikane ihnen nicht zu Anerkennung und Coolness verhilft. Gemeinsam helfen sie Leonardo, zurück ins Jahr 1348 zu gelangen. So wird aus "Hasenfuß" Leonardo ein echtes "Löwenherz". Als es drauf ankommt, hält schließlich selbst Schizzo zu seinen Klassenkameraden.
Ob die Schüler aus der Musical-AG nochmal mitmachen würden? "Klar", lautet die einstimmige Antwort. Dann verkündet eine leise Stimme: "Zum Glück sind jetzt aber erst mal Ferien!"