Präsenz steht an erster Stelle

Schüler des Gymnasiums Himmelsthür zeigen "Heavens's Highscool"
© HAZ 03.03.2011

VON STEPHANIE DREES HILDESHEIM. Die Siebziger sind eine beliebte Station in der musikalischen Popkultur. Sie stehen für gesellschaftliche Umbrüche, Bürgerbewegungen und Happenings und sind im retrospektiven Weichzeichner eine große Rock-'n'-Roll-Inspirationsquelle: Rebellion schien sich noch richtig zu lohnen. Freiheit war etwas, das man sich erkämpfen wollte. Vielleicht macht das einen Teil des Reizes aus, den die Musik auch für die Generation der "digital natives" hat.

Im Foyer des Gymnasiums in Himmelsthür tragen junge Frauen Batik-Oberteile und Blumenkleider. Und die stattlichen Herren dürfen zwischenzeitlich die Macker-Lederjacke über die Schultern hängen. Zu viert bilden sie die gesamte Tenor-Abteilung, die sich gegen eine mächtige Überzahl von weiblichen Sopran- und Altstimmen behaupten muss. Da ist Präsenz gefragt. Und die hatten die Oberstufenschüler auch bei kleineren musikalischen Unsicherheiten immer.

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Foto © Stephan Gerlach

Ein eigenes kleines Musical haben sie erdacht: "Heaven Highscool Musical" heißt es sinnigerweise und lädt die Zuschauer auf eine Zeitreise ein. Dabei machen sie eine historische Schleife: Songs aus den 70ern, schon mehrfach in Musicalform gegossen in berühmten Vorbildern wie "Hair" oder dem "Abba"-Denkmal "Mamma Mia", bilden das Herzstück der Show. Stücke aus "Grease" und "König der Löwen" ergänzen das Programm. Damit haben sich die Schüler einiges vorgenommen.
Zur Einstimmung spielt der Bläserkreis der Schule Klassiker wie "I will follow him" und "Ich war noch niemals in New York". Am Anfang noch etwas zurückhaltend, taut der Musical-Chor auch physisch spätestens bei "Summer Nights" aus dem in den 50ern verorteten Schmachtfetzen "Grease" auf.
So konnte man auch gestisch und mimisch humorvoll mit den Klischees spielen: Jungs wollen immer nur das Eine, Mädchen sind unverbesserliche Romantikerinnen - unvereinbar, und doch; Man kann eben nicht ohne einander.

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Foto © Stephan Gerlach

Das zeigte auch die Rahmenstory, die die Schüler selbst geschrieben haben: Da gibt es Mary, die eigentlich gerne "dazugehören" würde, wie das Zauberwort in dem Alter heißt. Logan, der Alpha-Lederjackenträger, beachtet sie zunächst nicht. Doch Jackson, ein sensibler Frauenversteher, erkennt ihr Potenzial. Denn Mary ist, "einfach sie selbst". Und dann fällt es sogar Logan auf: Das ganze "Getue" um Klamotten und Coolness, was soll das eigentlich? Nur Jessy, seine Freundin, bringt diese Erkenntnis kurzzeitig in die Bredouille.

Es geht um erste Lieben, Gruppenzwang und Joints, die sich als Zigaretten entpuppen. Die Schüler beweisen eineinhalb Stunden lang, dass sie mit Stimme und Herz unterhalten können. Eine Zeitreise, die sich gelohnt hat.