Mit „Stinkewurst“ zum Erfolg

Mit „Stinkewurst“ zum Erfolg | © HAZ 19.07.2006
Schüler des Gymnasiums Himmelsthür beteiligen sich an Musikwettbewerb


Musik macht Spaß: Den hatten die Schüler des Gymnasiums Himmelsthür mit ihrem Lehrer Thomas Schonebeck (rechts) bei der Aufnahme der CD „Stinkewurst“.
Auch Schulleiter Günter Hotopp (links) begrüßt die tolle Musikinitiative.
© Foto: Gossmann | HAZ

HILDESHEIM. Adidas und Nike, Gucci und Versace, nee, das ist nichts für sie. Sie kaufen gerne günstig im Discounter ein. Aldi, Netto und ein bisschen Penny, das schont das Portemonnaie. „Und dann lieb ich alles, was so hit ist, weil ich mir dann mehr kaufen kann.“
Jung und anders zu sein, das ist für die 15 Schüler im Grundkurs Musik des Gymnasiums Himmels-thür normal. Und das haben sie auch auf ihrer CD „Stinkewurst“ in Worte gefasst (siehe oben), die sie nach der Melodie von „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ punkig-frech ins Mikro grölen.

Damit haben sie einen der Preise beim bundesweiten Musikwettbewerb zum Film „Edelweisspiraten“ gewonnen. „Ihr habt das getroffen, was wir im Kopf hatten, als wir uns das Thema für den Wettbewerb überlegten. Gratulation! Stinkewurst ist herrlich“, gratuliert Monika Lockemann von „Let’s make Music“ (die Initiative zur Förderung des aktiven Musizierens) den jungen Hildesheimern der 12. Jahrgangsstufe.

Der Film „Die Edelweisspiraten“ – in der Region bisher gelaufen – erzählt von einer Widerstandsgruppe im Dritten Reich, die anders als der Münchner Studenten-Geheimbund „Die Weiße Rose“ eine intuitiv entstandene Bewegung mit proletarischem Hintergrund war. Durch ihre Kleidung und ihre Musik grenzten sie sich von ihrer gleichgeschalteten Umwelt ab. Das war Anlass für den Wettbewerb, in dem unter dem Motto „Die Gedanken sind frei – neue Ideen in alten Liedern“ ein deutsches Volkslied neu interpretiert werden sollte.
„Die Schüler wollten projektorientiert und praktisch arbeiten. Und es passt auch zu unserem Kursthema ,Musik in gesellschaftlichen Zusammenhängen‘“, zeigte sich Musiklehrer Thomas Schonebeck offen. Und die Schüler waren begeistert, als der 36-Jährige ihnen den Wettbewerb vorschlug.

Alte deutsche Volkslied-Bücher wurden gewälzt. Nachdem die Melodie fest stand, gings ans Thema. „Letztlich haben wir uns gegen Rassismus und für Markenkonsum entschieden“, erzählt Svenja. Jede der fünf Strophen wurde von einer anderen Gruppe getextet, anschließend alles aneinander angepasst.

„Das hat sehr viel Spaß gemacht“, findet Guido. „Aber man hat auch seine Grenzen kennen gelernt“, ergänzt Svenja. Es sei gar nicht so einfach, Sprache, Grammatik und Musik miteinander in Einklang zu bringen.
Inzwischen stand auch der Bandname fest. „,Kaiserschmock‘ ist auf einer Kursfahrt in Österreich entstanden, wo wir sehr schlechten Kaiserschmarren gegessen haben“, muss Gerrit noch im Nachhinein schmunzeln. Der Songtitel ist Ergebnis einer kurzen Phase des Unernstes, wie es Schonebeck formuliert. „Er korrespondiert mit einem spontanen Einwurf im Song nach der dritten Strophe: ,…und dann - Stinkewurst‘.“ Muss es wohl im Discounter geben …
Anschießend ging es ins schuleigene Tonstudio. Alle durften singen. Und wer ein Instrument beherrscht – der spielte. Katharina lässt ihr Saxofon normalerweise im Musikverein erklingen, Tilmann spielt nur zum Spaß Gitarre und André hat richtig Posaunenunterricht. „Im Studio hat sich das dann verselbständigt und richtig Stimmung ergeben“, erinnert sich Schonebeck, der seit drei Jahren in Himmelsthür arbeitet.

Und diese Erfahrung im Studio hat dann auch den Preis bestimmt. „Wir haben uns unter den Angeboten den Produktionstag in einem Berliner Tonstudio ausgesucht, weil wir den Song noch einmal unter professionellen Bedingungen aufnehmen und sehen wollen, wie die Profis arbeiten“, erzählt der Lehrer.

Zum Schulende nun müssen die Schüler heute ihr Projekt noch einmal allen vorstellen. Dabei wird auch der Song über Lautsprecher übertragen. Und so manch eine(r) wird das mit den Markennamen ganz anders sehen als „Kaiserschmock“ … art