„Mathe kann schön bunt sein “

„Mathe kann schön bunt sein “
Schüler bauen Lernhilfen und Mathematik-Werbung selbst | HAZ vom 6.2.2008

Handwerklich für die Mathematik tätig: Himmelsthürer Schüler Lysander Weiß und Carsten Hoppert mit ihren Geräten. © Foto: Gossmann

Hildesheim (ph). Vom Schüler-Alptraum zum bunten Thema? Am Donnerstag wird auch in Hildesheim das Jahr der Mathematik offiziell eröffnet. Universität und Schulen ziehen mit – bunt.

Es sieht ein bisschen aus wie das Lotto-Ziehgerät im Fernsehen: Eine senkrechte Wand mit lauter Kugeln, darunter ein Auffanggerät. Die Kugeln, feuerrote Plastikbälle, werden oben eingeworfen und haben gleich die Wahl: Links oder rechts am ersten Hindernis vorbei, dann am nächsten, und so weiter. Am Ende landen die meisten irgendwie in der Mitte, nur ein paar ganz eigensinnige finden den Weg zu den Bahnen am Rande. Das hat mit Eigensinn nichts zu tun und nichts mit Zufall, es ist Mathematik. Genauer: Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die hat sogar einen Namen für das Bild, das die Kugeln anschließend abgeben: Gauß-Glocke. Benannt nach einem der genialsten Mathematiker, dem Deutschen Carl Friedrich Gauß (1777-1855).

Das Gerät aus Sperrholz und Plexiglas nennt sich Galton-Brett (benannt nach Sir Francis Galton (1822 bis 1911)). Es soll Schülern die Mathematik (in diesem Fall die Binomialverteilung) näher bringen und wurde von Schülern selbst gebaut: Katrin Hundshagen und Carsten Hoppert aus dem Leistungskurs Mathematik des Gymnasiums Himmelsthür haben die Mathe-Hilfe zusammengeschraubt. „Ein solches Gerät kann man nicht kaufen“, berichtet der Christian Bräuer, Koordinator für Mathematik und Naturwissenschaften, „Die Idee haben wir aus dem Mathematicum in Gießen.“ Einer Art Museum für Mathematik und einem ähnlichen Zweck soll die Hildesheimer Maschine ebenfalls dienen. Genau wie die weiße Röhre mit bunten Gartenschläuchen drum herum, die „Brachystochrone“ heißt, aber eine Kugelbahn ist. Mit Hilfe alter Zeitungen, Leim und Gartenschlauchresten haben Oliver Arnold und Lysander Weiß diese Maschine gebaut. Sie macht den Schülern mit Hilfe kleiner Glaskugeln klar, dass der kürzeste Weg nicht immer der schnellste sein muss. Mathematik fürs praktische Leben also – dies zu vermitteln wiederum ist auch Sinn des Jahres der Mathematik, das am Donnerstag offiziell eröffnet wird.

Die öffentliche Veranstaltung um 17 Uhr im Rathaus stellt nicht nur die Lernhilfen aus Himmelsthür vor. Nach der Eröffnung durch Oberbürgermeister Kurt Machens spricht der emeritierte Professor Dr. Wilhelm Alten von der Universität über „6000 Jahre Mathematik“, die Universität stellt anschließend ihre Planungen für das Programm in diesem Jahr vor.

Beteiligt an der „Mathematik zum Anfassen“ sind neben Himmelsthür die Marienschule und die Universität. Die Schüler-Hilfen sind vom 3. bis zum 7. März in Himmelsthür zu sehen und gehen anschließend auf Wanderschaft. Danach landen sie im Lernmittelfundus des Gymnasiums. Auch künftigen Schülergenerationen soll so mit runden Plastikbällen und kleinen Glasmurmeln höhere Mathematik klar – und schmackhaft – gemacht werden.