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VON MARTINA PRANTE HILDESHEIM. Er war ein Zerrissener, ein kantiger Künstler, der sich und die Gesellschaft mit Entstellungen, Deformationen und amputierten Gliedern als Ausdruck alltäglicher Gewalt konfrontierte und schockierte.
Die Schülerinnen des Profilkurses Kunst haben sich nicht beeindrucken lassen von Francis Bacon. Sondern ihren "Blick auf den Menschen" mit ganz eigenen Mitteln im "bacon project" auf die Leinwand gebannt. Dabei spielt die Käfigsituation wie auf Gina Stibbes neonfarbenem Werk ebenso eine Rolle wie die Verletzbarkeit des Menschen in einer zerbrechlichen Welt, wie sie Louisa Grebe mit Gips, Pappmache und Kleister darstellt. Hinter Falten und Schleiern aus hellen Tönen sticht der im Schrei verzerrte Mund und das herausgerissene Herz in der blassen Hand hervor.
65 Arbeiten aus dem vergangenen Jahr sind im Kreishaus ausgestellt. Es handelt sich um eine Auswahl aus "1000 Stunden" - so der Titel der Ausstellung -, welche die 17 Schülerinnen in ihre Werke investiert haben. Und die Unterschiedlichkeit der Arbeiten zeigt, dass Kunstlehrer Rolf Behme den Nerv der Abiturientinnen getroffen hat. Zum Beispiel auch mit dem Thema "im osten und westen nichts neues" nach Erich Maria Remarques Roman über den Ersten Weltkrieg, das Assoziationen zum Konflikt in Libyen wachruft.
Louisa Senf stellt mit Panzer, Soldaten und einem abstürzenden Flugzeug eine Welt dar, in der alles außer Kontrolle und auch optisch aus den Fugen gerät und bleibt nah am Ersten Weltkrieg. Nadine Eisenhauer löst sich von der Realität und "zaubert" mit einer Figur, die dem Film "Matrix" entstiegen zu sein scheint, und der Zeitschrift Focus als Folie die Jetztzeit ins Bild. Lisa Grispan geht einen Schritt weiter und dokumentiert die Verzweiflung vieler, dass Deutschland trotz Denkfähigkeit zum Beispiel durch Waffenverkauf Krieg mitschürt.
Gegensätze sind in der Bildenden Kunst beliebt. Und so ließ Behme mit "apollinisch - dionysisch" das streng Vernunftbetonte und das lustvoll Chaotische aufeinanderprallen. Für Stephanie Bode ist das zum Beispiele der Banker, der sich mit Aufputschmitteln dopt, um die Ordnung seiner Arbeitswelt aufrechthalten zu können, und darüber wahnsinnig wird. Andere Schülerinnen suchen den Gegensatz im Zirkus, im Kinderzimmer, auf der Bühne. Sophie Sterns findet ihn im Tanz, wo sie die roboterhaften Bewegungen von klassischem Ballett gegen die Kraft und Urwüchsigkeit von Naturvölkern stellt.
Während die 17- und 18-Jährigen in einem Fotoprojekt mit einem Computerprogramm 100 mal Ich" humorvoll darstellen, hatten sie in ,,Ich und meine Stadt" ihre Träume, Ängste und Wünsche in dieser Beziehung auszudrücken. Katharina Kühn wagt plastische Ausbrüche, indem sie Balkone wie ein Relief ins Bild integriert. Ihr Blick reicht über die Glocke, welche ihre Stadt hermetisch abschließt, in eine Naturlandschaft, die von einem Vulkanausbruch bedroht wird. Louisa Grebe fühlt sich von der Stadt umwoben, gefesselt, aufgesaugt.
"1000 Stunden" zeigt Ansichten junger Frauen, die durch die Kunst eine vielfältige und interessante Gestalt gewinnen. Und damit vielleicht auch Einsichten provozieren.
Die Ausstellung ist bis zum 19, Mai im Kreishaus in der Bischof-Janssen-Straße zu sehen.
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