Begegnung der anderen Art

20 Schüler aus dem Projekt Kunstbegabtenförderung stellen von heute „Einfälle“ aus

© HAZ 19.05.2009
VON MARTINA PRANTE

Die Ergebnisse aus dem Projekt Kunstbegabtenförderung sind in der Volksbank zu sehen. Gestern legten einige der Teilnehmer letzte Hand an. Foto: Hartmann | HAZ



HILDESHEIM. Flapsig gesagt, hat sie Schuhe genagelt, gebürstet, gefedert und versüßt. Was Imke Meyer-Lamb mit wenigen Requisiten wie Abwaschbürsten, Federn und Süßigkeiten, schwarzer und weißer Farbe zum Thema “Begegnung der anderen Art” eingefallen ist, hat schon Hochschulniveau. Damit hat sie das Ziel des Pilotprojekts des Niedersächsischen Kultusministeriums schon erreicht. Kunstbegabte zu fördern, ihre Interessen zu vertiefen und auf ein Studium vorzubereiten, das war die Idee, die Rolf Behme, Kunstlehrer und Fachberater für Kunst bei der Landesschulbehörde Hannover, verfolgt.

Und für das er nicht nur vom Niedersächsischen Kultusministerium grünes Licht, sondern auch von der Volksbank Hildesheim Geld bekam. Eine Anschubförderung sowie weitere Finanzierung in den kommenden zwei Schuljahren mit jeweils 2000 Euro versetzen Behme und die Schüler in die Lage, professionell mit Kunst über die Grenzen des Schulalltags hinaus experimentieren zu können. Die Ergebnisse sind von heute Abend an in den Räumen der Volksbank zu sehen. “Und die Zusammenarbeit hat gut funktioniert”, sind sich Behme und Franz-Josef Harenberg vom Vertriebsmanagement der Volksbank einig.

An neun Sonnabenden haben sich die 20 ausgewählten Schüler Hildesheimer Gymnasien, der Waldorf- und der Gesamtschule in der HAWK getroffen. Nach Basisausbildung in den Bereichen Zeichnen, Malen und plastisches Gestalten konzentrierten sich die Projekte auf die Bereiche Architektur, Produktdesign und Medien. Mit Hilfe von weiteren drei Kunst-Experten ließ Behme die Begabten auf das Thema „Begegnung der anderen Art“ los. Die Ergebnisse sind unterschiedlich. Benedikt Neigebauer schwebte ein Fahrrad mit drei hintereinanderliegenden Rädern vor. Im Verlauf seiner Arbeit - dafür lernte er das Schweißen -, musste er feststellen, dass sich sein Traum nicht verwirklichen ließ, und er arbeitete in anderer Richtung weiter. Eine Arbeitsweise, die Behme begrüßt.

Während Neigebauer Metalldesign studieren will, liebäugelt Philipp Engelke mit Autodesign. Und setzt in seinem futuristischen Automobil den Fahrer nach hinten. “Der Sicherheitsaspekt stand hier nicht im Vordergrund”, schmunzelt der 18-Jährige. Wichtiger dagegen die methodischen Ebenen wie intensive Beschäftigung mit dem Thema, das Herstellen und Erhalten von Kontakten, die Arbeit im Team. Auch sind sechs Filme im Bereich Medien entstanden. So hat sich Maren Koch mit der Wirkung von Parfum auseinandergesetzt und in der Fußgängerzone ihre Ideen gefilmt. Professionell wirkt Ana Lara Rodriguez Heinleins Werbekampagne für eine“etwas andere Partnervermittlung”. “@mor” heißt die Firma und wirbt mit Plakaten, auf denen eine Gummischnecke sich um einen Tesafilm-Abroller schmiegt oder eine Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielfigur vor einem Schlüsselloch klebt. Witzige Hingucker!

In der Disziplin “Inszenierung des Körpers” haben sich Nadine Naue und Anna Sophie Stasche getummelt. Die eine hat ein schönes Kleid mit einem hässlichen Unterrock kombiniert - “den haben wir mit Dreck, dem Fahrrad und Feuer malträtiert”. Die andere hat Material wie Stoff, Tüll, Mullbinden mit Muttern und Schrauben verziert. Eben eine Begegnung der anderen Art.

Die Ausstellung “Einfall” mit Arbeiten von Schülern im Projekt Kunstbegabtenförderung
wird heute um 19 Uhr in der Volksbank am Kennedydamm eröffnet. Sie ist bis zum 20. Juni zu sehen.


Foto © Günter | gymhim