Schokolade in Acryl?

HAWK und Hornemann-Institut wollen mit Schülern zeitgenössische Kunst erhalten
© Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 15.09.2010


HILDESHEIM. Unter dem Titel, "Schokolade in Acryl? Vom Umgang mit zeitgenössischer Kunst" startet die Fakultät Erhaltung von Kulturgut der HAWK in Kooperation mit den Gymnasien Andreanum und Himmelsthür ein einjähriges Schulprojekt. Ziel ist es, Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren für zeitgenössisehe Kunst und den Umgang damit zu sensibilisieren.

Das Thema ist topaktuell und spannend, weil Künstler heute oft mit vergänglichen Materialien und innovativen Techniken arbeiten. Beim ersten Treffen mit den Schülern machten die Initiatoren Prof, Dr. Ursula Schädler-Saub und Dr. Angela Weyer vom Hornemann Institut deutlich, wie wichtig es für Restauratoren ist, sich mit ethischen Fragen der Restaurierung auseinanderzusetzen. Im Falle der zeitgenössischen Kunst habe sich international durchgesetzt, qualifizierte Dokumentationen der Objekte anzufertigen und Künstler zu befragen.

All das ginge aber nicht, ohne sich intensiv mit dem Werk eines Künstlers vorab auseinanderzusetzen und sich mit den Methoden der Künstlerbefragung und der bildlichen Dokurnentation zu beschäftigen. Dabei helfen den Schulen fünf Mitarbeiter sowie zwei Masterstudierende der Fakultät. Bei der jetzigen Auftaktveranstaltung erhielten die Schüler bereits erste Einblicke in die zukünftige Zusammenarbeit: Prof. Dr. Michael von der Goltz erläuterte an einer gefassten Holzskulptur und drei Gemälden einige restauratorische Probleme, während der Fotodesigner Clemens Kappen das Fotoatelier und einige studentische Arbeiten vorstellte.

Sehr zufrieden mit dem Projektstart zeigt sich die Organisatorin Dr. Angela Weyer: "Wir sind sehr beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und Neugierde, mit der sich die Jugendlichen auf dieses nicht gerade einfache Thema einlassen." Siegfried Musiol, der mit zehn Schülern eines 11.Jahrgangs des Andreanums am Projekt teilnimmt: "Die Fakultät bietet unseren Schülern eine Steilvorlage".

Heide Junker aus Himmelsthür hat sich für einen etwas anderen Lernweg entschieden: Sie wird sich mit ihren neun Schülern, die sich in einer freiwilligen AG zusammengefunden haben, vor allem experimentell dem Entstehungsprozess bestimmter Werke und deren ungewöhnlichen Materialien und Techniken annähern.

Alle Jugendlichen werden sich in den kommenden Monaten bei Exkursionen in Ateliers und Museen der Region nicht nur mit vielen Originalen beschäftigen, sondern auch mit zeitgenössischen Künstlern diskutieren. In Kleingruppen und eng betreut, erarbeiten sie anschließend nach ihrer Wahl eine Dokumentation eines Kunstwerks oder ein Künstlerinterview, die sie in einer Abschlussveranstaltung im Juni 2011 der Öffentlichkeit präsentieren sowie im Internet publizieren.

Unterstützt wird das Projekt von der Sparkasse Hildesheim, dem Freundeskreis des Andreanums sowie dem Vereein zur Bewahrung und Erhaltung des WeItkulturerbes e.V., dem Förderverein des Hornemann Instituts.