Deutsch kann doch jeder! ... Sinn und Ziele des Deutschunterrichts
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Deutsch ist ein Fach, das dem Namen nach allzu schnell als anspruchslos und unerheblich erscheinen mag. Denn Deutsch kann schließlich – so hört man es zumindest immer wieder – eigentlich jeder.
Aber hinter diesem Sammelbegriff verbirgt sich eine Fülle von Inhalten und Kenntnissen, von Methoden und Strategien, von Texten und Medien, so dass das Fach zu Recht einen Anspruch darauf erhebt, einen wesentlichen Beitrag zur Allgemeinbildung und Persönlichkeitsentfaltung junger Menschen zu leisten. Die Vielfalt der Textsorten und die Vielfalt der Herangehensweisen machen es möglich, Fähigkeiten des Verstehens und Verständigens auf verschiedenen Ebenen zu entwickeln und zu fördern.
So setzen beispielsweise Kommunikation, d.h. das sprachliche Handeln miteinander, und Argumentation, d.h. das begründete Vertreten eigener Positionen in Auseinandersetzungen, als Grundlagen (gelingenden) menschlichen Zusammenlebens die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Abwägen von Handlungsmöglichkeiten und Wertentscheidungen ebenso voraus wie ein angemessenes Ausdrucksvermögen. Diese Fähigkeiten werden im Deutschunterricht im Umgang mit literarischen und pragmatischen Texten entwickelt und trainiert. Insbesondere die Auseinandersetzung mit literarischen Texten aus verschiedensten Epochen liefert dabei Einblicke in das Denken und Verhalten von Menschen zu ihrer jeweiligen Zeit, ermöglicht Zugänge zu (möglicherweise unerahnten) Weltsichten und hilft, eigene Positionen und Werte zu gewinnen und zu begründen.
Daneben vermittelt das Fach Deutsch grundlegende Arbeitstechniken und Methoden, die beispielsweise hinsichtlich der Texterschließung und –erörterung über den Deutschunterricht hinaus und bis zum Abitur relevant sind.
In der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit und der Allgegenwart solcher Medien, die genaues Lesen zu einer kaum noch notwendigen Kompetenz verkommen zu lassen drohen, haben sich die Kollegen außerdem das Ziel gesetzt, den Schülern einen Zugang zu Literatur als Kulturgut zu schaffen und ihnen dadurch Mut zu machen, auch über den Deutschunterricht hinaus Bücher zur eigenen Bereicherung aufzuschlagen und zu lesen. Das Fach will damit auch auf eine Teilnahme am kulturellen Leben vorbereiten, die zur persönlichen Bereicherung werden kann.
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Kompetenzbereiche des Faches
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Sprechen und Zuhören
Hier geht es um mehr als um gedankenloses Darauflosreden. Meinungsbeiträge sollen zunehmend begründet sowie sprachlich angemessen und grammatikalisch korrekt gestaltet sein und zum Thema passen. Ebenso geht es bei der Fähigkeit des Zuhörens um (kritische) Einschätzung des Gesagten, deutliches Bezugnehmen auf oder Abgrenzen von Diskussionsbeiträge/n, um Fragen (auch Nach- und Hinterfragen), um Überprüfen, um Abwägen der Beiträge.
Sprechen und Zuhören sind dabei auch auf Textvorträge und szenisches Spielen zu beziehen.
„Das Wort gehört zur Hälfte dem, welcher spricht, und zur Hälfte dem, welcher hört.“
Michel de Montaigne
Schreiben
Sicher gehört die Rechtschreibung zu einer der Grundfähigkeiten, die im Deutschunterricht erworben werden soll, denn diese ist nicht zuletzt im Berufsleben ein Aushängeschild der eigenen Fähigkeiten (spätestens nämlich bei der Zeichensetzung kapituliert ein Rechtschreibprogramm und ist das Wissen des Schreibenden gefragt).
Aber Schreiben im Deutschunterricht meint über das Setzen von Buchstaben und Zeichen hinaus auf der einen Seite auch das kreative und produktive Schreiben, wenn es beispielsweise um das Füllen von Leerstellen in literarischen Texten oder Perspektivwechsel geht, auf der anderen das methodisch planvolle Verschriftlichen von Textuntersuchungen oder von Auseinandersetzungen mit Problemstellungen sowie das Überarbeiten eigener und fremder Texte. Damit all dies gelingen kann, muss der Schreibende auf die Kenntnis von Aufbau und Anlage der unterschiedlichen Textprodukte zurückgreifen und ihre Kriterien bei der eigenen Gestaltung anlegen können. Dabei erweist sich eine Treffsicherheit in der Begriffswahl und eine Kenntnis der Fachterminologie als unablässige Voraussetzung.
Schreiben setzt also – wie das Sprechen – Denken voraus!
„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“
Mark Twain
Lesen
Lesen meint sicher immer auch stilles Lesen von Texten. Lesen meint im Zusammenhang mit dem Deutschunterricht aber auch die Anwendung von Lesestrategien zur Gliederung von Texten und zum Erschließen argumentativer und logischer Zusammenhänge. Lesen meint immer auch genaues Lesen, das ausgehend von den zugrundeliegenden Texten ein vertieftes Verstehen ihres Gehalts zum Ziel hat. Dabei wird oft übersehen, dass verstehendes Lesen im Leser die Bereitschaft voraussetzt, sich auf die Gedankengänge des Textes einzulassen, diese „nachzudenken“.
Da als Texte im Deutschunterricht nicht nur literarische, sondern auch Sachtexte sowie die verschiedensten Medien gelten, wird unter Lesen der (kritische) Umgang mit Texten und Medien sowie deren Analyse verstanden. Lesen schließt damit sowohl die Kenntnis der Textsorten und die Fähigkeit ihrer Unterscheidung als auch die fachgerechte Beschreibung ihrer Merkmale ein.
„Lesen ist gelenktes Schaffen.“
Jean-Paul Sartre
Nachdenken über Sprache
Das Nachdenken über Sprache erstreckt sich auf das Beobachten und Beschreiben sprachlicher Besonderheiten, die sich zum Beispiel im Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache zeigen. Auch das Funktionieren unserer Sprache, das zum Beispiel die Kenntnis der Satzglieder und Wortarten und deren Leistung voraussetzt, aber auch die Möglichkeiten des bildlichen Sprechens einbezieht, ist Gegenstand dieses Nachdenkens über Sprache.
Darüber hinaus bedeutet das Nachdenken über Sprache, sprachliche Äußerungen aller Art – d.h. literarische Texte, Kommunikation des Alltags, Zeitungsartikel, Werbung, politische Äußerungen etc. – in Verwendungszusammenhängen zu verstehen, also ihre Absichten und Ursachen zu ermitteln oder die Texte als Reaktion auf bestimmte Anlässe zu begreifen und kritisch zu bewerten. Dazu gehört die Textanalyse, die die rhetorische Gestaltung und grammatikalische Besonderheiten beschreibt und in ihrer Funktion für inhaltliche Aussagen erklärt.
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